07.12.2016

Roto-Gruppe „fest in der Spur“

Umsatz 2016 knapp behauptet / Markt- und Währungseinflüsse überwiegend negativ / Erfolgreiche Akquisitionen / Russland: Markt in 20 Monaten halbiert / Deutschland: Verbände zu optimistisch / Märkte 2017 keine Spielverderber mehr? / Bauzulieferer will wachsen / Wirtschaft braucht politische Berechenbarkeit

Roto-Gruppe „fest in der Spur“

Leinfelden-Echterdingen – (rp) Trotz per saldo kräftiger markt- und währungsbedingter Gegenwinde bleibt die Roto-Gruppe auch 2016 auf Kurs. Das schlägt sich nicht zuletzt in einem prognostizierten Gesamtumsatz von rund 620 Mio. Euro nieder, der sich damit knapp auf Vorjahresniveau bewegt. Für 2017 erwartet der Bauzulieferer unter dem Strich erstmals seit Jahren keine weiteren Marktbelastungen, sondern stattdessen „over all“ eine Stabilisierung. Die eigene Entwicklung soll mit einem Umsatzplus von 4 bis 5 % spürbar besser verlaufen. Mit diesen Kernaussagen charakterisiert der Vorstand Status und Perspektiven des Unternehmens.

Trump und andere Unwägbarkeiten

Mit Sorge blickt Dr. Eckhard Keill allerdings auf die weltpolitischen Ereignisse und ihre Auswirkungen auf die Wirtschaft. Die Wahl von Donald Trump zum neuen amerikanischen Präsidenten macht, so der Roto-Chef, die „ohnehin komplizierte Lage nicht einfacher“. Sie führe im Gegenteil zu noch größerer Unsicherheit. Was die Devise „America first“ und die „Abwahl des Establishments“ konkret bedeuteten, sei aktuell kaum einzuschätzen. Zwar hält Keill einen kurzfristigen Konjunkturboom in den USA für durchaus möglich, doch die damit verbundenen Risiken sind für ihn offenkundig und am Ende schädlich für die Weltwirtschaft. Dazu gehörten Protektionismus, Inflation und Staatsverschuldung.

Aber auch ansonsten gehe von der Politik keineswegs das aus, was die Wirtschaft am meisten brauche: Berechenbarkeit und Verlässlichkeit. Das Spektrum der akuten und potenziellen Krisenherde erstrecke sich von Syrien, Ukraine und Türkei bis zur Ungewissheit über die 2017 anstehenden Wahlentscheidungen etwa in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden. Hinzu kämen die ungelösten Probleme auf EU-Ebene. In diesem Szenario fehle die Basis für fundierte Prognosen und dafür, dass „ein Unternehmen in Ruhe arbeiten kann“.

Mehr Schatten als Licht

Nach den Worten des Roto-Vorstandsvorsitzenden ergab sich bei den Fenster- und Türenmärkten 2016 „eine im Kern unveränderte Situation“ gegenüber 2015. In der uneinheitlichen Gesamttendenz überwogen danach deutliche Rückgänge. Besonders schmerzhaft sei der „weitere Einbruch“ in Russland. Hier habe sich der Markt in „gerade einmal 20 Monaten“ praktisch halbiert. Der „freie Fall“ beruhe im Wesentlichen auf den politischen Krisen, den Wirtschaftssanktionen sowie dem niedrigen Ölpreis.

Aber auch in anderen, für Roto relevanten Märkten verlaufe die Entwicklung negativ. In China standen laut Keill vor allem im 3. Quartal starke Einbußen zu Buche. Zudem setzten sich in Brasilien die erheblichen Marktverluste fort. In Westeuropa seien davon primär Benelux und Großbritannien betroffen. Zu den Wachstumsregionen gehörten Süd- und Osteuropa sowie in erster Linie Nordamerika. Der derzeit per saldo moderate Mengenanstieg in Europa könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Gesamtmarkt seit 2007 bis heute um ein Viertel auf 70 Mio. Fenstereinheiten geschrumpft sei.

Für Deutschland weist Keill auf „zu optimistische offizielle Verbandszahlen“ hin. Wichtig seien zudem generelle, bisher aber kaum thematisierte Branchenprobleme. So führe der anhaltende Konsolidierungsprozess zu sinkenden Unternehmenszahlen. Laut Studie gibt es aktuell noch 6.400 Fenster- und Türenproduzenten, nachdem es 2011 noch 6.700 waren. Trotzdem seien erhebliche Überkapazitäten vorhanden, die der Untersuchung zufolge z. B. bei rund 5 Mio. Fenstereinheiten pro Jahr liegen.

Belastungen getrotzt – in die Zukunft investiert

Den Gesamtumsatz der Roto-Gruppe per 30. September 2016 beziffert Finanzvorstand Michael Stangier auf gut 480 Mio. Euro. Das entspreche im Vorjahresvergleich dank zweier Akquisitionen einer „hauchdünnen“ Zunahme. Aber selbst das um diesen Effekt bereinigte Resultat eines leichten Minus bei den Verkaufserlösen sei mit Blick auf die mitunter eklatante Marktschwäche als „relativer Erfolg“ einzuordnen.

Im 4. Quartal rechnet der Finanzchef nicht mit „grundlegenden Veränderungen“. Deshalb prognostiziert er für das ganze Jahr 2016 einen Gruppenumsatz von rund 620 Mio. Euro, der damit fast das Vorjahresniveau (622 Mio. Euro) erreiche. Die Relation zwischen Ausland und Inland pendele sich wieder bei zwei Drittel zu einem Drittel ein. Die Gruppe beschäftigte den Angaben zufolge Ende September 2016 inklusive der ab 1. Januar wirksamen Deventer-Integration knapp 4.500 Mitarbeiter. Die Anlageinvestitionen bewegten sich im laufenden Jahr wieder in einem „klar zweistelligen Millionenbereich“ und flossen in beiden Divisionen u. a. in die für neue Produkte nötigen Werkzeuge. Das dokumentiere die „ungebrochene Innovationskraft“ des Bauzulieferers.

Mit den neuen Gruppenmitgliedern Peder Nielsen (Dänemark) und Deventer (Deutschland, Polen, Russland, Niederlande) sei man „sehr zufrieden“. Ihre Integration in den Roto-Verbund verlaufe reibungslos. Die „positive Kundenresonanz“ bestätige im Übrigen die Systemstrategie des Unternehmens. Das gelte aktuell primär für die Verzahnung von Beschlag und Dichtung. Außerdem seien 2017 weitere Akquisitionen geplant. Ihre Finanzierung soll erneut ohne zusätzliche Fremdmittel erfolgen und damit „einmal mehr“ die wirtschaftliche Stabilität von Roto untermauern.

Kosten sparen – Kundenorientierung verstärken

Dennoch müsse man die Ertragssituation 2016 als „klar unbefriedigend“ bezeichnen. Als Hauptursachen dafür nennt Stangier die erheblichen marktbedingten Belastungen in der Division Fenster- und Türtechnologie (FTT), die ausgeprägten Rohstoffverteuerungen von bis zu 40 % (Zink, Alu) und die per saldo negativen Währungsverschiebungen. All das zwinge zu zeitnahen Preisanpassungen.

Auf den Ertragsdruck reagiere Roto „ebenso entschlossen wie differenziert“. So sei das „eiserne“ Kostensparprogramm überhaupt kein Widerspruch zu einer weiter intensiven Arbeit an den für Kunden kaufentscheidenden Kriterien. Dazu gehöre eine neue Prozessorganisation ab 1. Juli 2016, die sich in einer noch effizienteren Kundenorientierung niederschlage. Zudem blieben Bereitschaft und Fähigkeit zu Zukunftsinvestitionen unberührt. Auch die Gründung einer neuen Tochtergesellschaft in Chile zeige das Engagement für und zugleich das Vertrauen in mittel- und langfristige Marktchancen.

Mit Stabilisierung nicht zufrieden

Erstmals seit Jahren erwartet Roto 2017 von den Märkten per saldo keine weiteren Belastungen. Differenziert bleibe die Entwicklung aber trotzdem. So komme es in Russland vermutlich zu einer Seitwärtsbewegung. Der Markt hänge indes stark von der politischen Entwicklung ab. Man hoffe deshalb auf eine Deeskalation. Für die Wirtschafts- und Währungsentwicklung sei ein Ölpreisanstieg positiv und daher wünschenswert.

China werde sich voraussichtlich auf dem erreichten Niveau behaupten. Dazu könnten die Regierungsprogramme zur Stützung des Wohnungsbaus konkret beitragen. In Lateinamerika einschließlich Brasilien gehe man von dem Erreichen der Talsohle und einem „Konsolidierungsjahr“ 2017 aus. Die Prognose für Nordamerika: anhaltender Aufschwung in eventuell noch höherem Tempo.

In Europa rechnet Keill überwiegend mit einem moderaten Aufwärtstrend. Im Einzelnen gelte das u. a. für Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Polen. Zu den Verlierern zähle Großbritannien – und das „wohl deutlich“. Alles in allem dürften sich die Fenster- und Türenmärkte 2017 stabilisieren.

Für Roto gibt sich der Vorstandsvorsitzende damit aber nicht zufrieden. Stattdessen peilt er ein Umsatzwachstum in der Gruppe zwischen 4 und 5 % an. Dabei geht er von einer stärkeren Dynamik in der Division Dach- und Solartechnologie (DST) aus. In der Konsequenz heiße das, Märkte und Wettbewerber zu übertreffen. Die Verbesserung der Ertragssituation habe „natürlich ebenfalls Priorität“.

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