15.11.2016

Fachpressetag 2016: Roto-Gruppe auch 2016 „fest in der Spur“

Roto: Umsatz knapp behauptet / Markt- und Währungseinflüsse überwiegend negativ / Erfolgreiche Akquisitionen / Gesund, kundenorientiert und zukunftsfähig / Bauwirtschaft: Mehr Schatten als Licht / Russland: Markt in 20 Monaten halbiert / Deutschland ohne Renovierungs-Dynamik / Märkte 2017 keine Spielverderber mehr? / Bauzulieferer will wachsen / Innovationen, Investitionen und neue Ambitionen

Roto-Gruppe auch 2016 „fest in der Spur“

Berlin/Leinfelden-Echterdingen – (rp) Trotz per saldo kräftiger markt- und währungsbedingter Gegenwinde bleibt die Roto-Gruppe auch 2016 auf Kurs. Das schlägt sich nicht zuletzt in einem prognostizierten Gesamtumsatz von rund 620 Mio. Euro nieder, der sich damit knapp auf Vorjahresniveau bewegt. Für 2017 erwartet der Bauzulieferer unter dem Strich erstmals seit Jahren keine weiteren Marktbelastungen, sondern stattdessen „over all“ eine Stabilisierung. Die eigene Entwicklung soll mit einem Umsatzplus zwischen 4 und 5 % spürbar besser verlaufen. Mit diesen Kernaussagen charakterisierte der Vorstand während des 11. Internationalen Fachpressetages Status und Perspektiven des Unternehmens. Zu der als „Brancheninstitution“ geltenden Veranstaltung reisten Mitte November 2016 rund 70 Journalisten aus 17 Ländern nach Berlin.

Regionen unter der Lupe

In seiner Analyse der internationalen Bauwirtschaft machte Dr. Eckhard Keill mehr Schatten als Licht aus. Die Negativliste führt nach Angaben von Germany Trade & Invest (GTAI) Russland an, betonte der Roto-Chef. Die schwere allgemeine Wirtschaftskrise ziehe auch den Bau mit sich. Er leide u. a. unter dem starken Rückgang der staatlichen Bauausgaben, der 2015 und 2016 jeweils 30 % betrage. In China sei per saldo im gesamten Baugewerbe ein Stagnationskurs zu konstatieren. Zur Schwäche neige vor allem der Wohnungsbau, auf den etwa zwei Drittel des gesamten Hochbauvolumens entfielen. Die Regierung wolle hier z. B. durch die Ankurbelung des Renovierungsmarktes gegensteuern.

Ein sehr heterogenes Bild biete Lateinamerika. Das Spektrum erstrecke sich von moderatem Marktwachstum (Chile) bis zu kräftigen Einbußen (Argentinien, Brasilien). Es gebe jedoch die Hoffnung, dass die Problemländer 2016 die Talsohle erreichen. Die eindeutig besten Marktinformationen kämen aus den USA. Hier setze die Bauwirtschaft 2016 ihren steilen Aufschwung fort. Speziell der Modernisierungs- und Reparatursektor expandiere stark, während das Wachstum im Neubau geringer ausfalle. Auch für die Folgejahre rechtfertigten etwa die Bevölkerungszunahme und die Alterung des Hausbestandes positive Prognosen.

In Europa überwiege ein moderater Aufwärtstrend. So rechne das Forschungsnetzwerk Euroconstruct für seine 19 Mitgliedsländer mit einem durchschnittlichen Wohnungsbau-Plus von 3 % (2016) und 2,5 % (2017). Im laufenden Jahr werde das Wachstum primär vom Neubau gespeist, der – auf niedriger Basis – um gut 5,5 % zulege.

Bei insgesamt günstigen Rahmenbedingungen zeichneten sich aber in der Periode 2016/2017 erhebliche Unterschiede in den einzelnen Ländern ab. Die Spitzengruppe beim Wohnungsbau bestehe aus Irland, Ungarn, Portugal und Spanien. Im Mittelfeld hielten sich u. a. Deutschland und Großbritannien auf. Im Vereinigten Königreich seien die Brexit-Auswirkungen noch nicht „eingepreist“. Am Ende der Skala rangierten Italien und Belgien.

Für Deutschland stellte Keill zunächst klar: „Bau ist nicht nur Neubau.“ Letzterer „schöne“ die Lage, denn der für ca. 70 % des gesamten Marktes verantwortliche Renovierungssektor stagniere lediglich oder sei zum Teil sogar rückläufig. Außerdem warnte Keill davor, die stark steigenden Genehmigungszahlen als Garantie für eine entsprechende Entwicklung der Fertigstellungen anzusehen. Die Zielmarke der Politik von 350.000 bis 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr stufte er daher als „gegenwärtig unrealistisch“ ein. Wäge man die positiven, neutralen und negativen Einflussfaktoren gegeneinander ab, könne jedenfalls (auch) im Wohnungsbau nicht von „heiler Welt“ gesprochen werden.

Deutschland, Europa und die Welt

Nach den Worten des Roto-Vorstandsvorsitzenden ergibt sich bei den Fenster- und Türenmärkten 2016 „eine im Kern unveränderte Situation“ gegenüber 2015. In der uneinheitlichen Gesamttendenz überwiegen danach deutliche Rückgänge. Besonders schmerzhaft sei der „weitere Einbruch“ in Russland. Hier habe sich der Markt in „gerade einmal 20 Monaten“ praktisch halbiert. Der „freie Fall“ beruhe im Wesentlichen auf den politischen Krisen (Ukraine, Syrien), den Wirtschaftssanktionen sowie dem niedrigen Ölpreis.

Aber auch in anderen, für Roto relevanten Märkten verlaufe die Entwicklung negativ. In China stünden vor allem im 3. Quartal starke Einbußen zu Buche. Zudem setzten sich in Brasilien die erheblichen Marktverluste fort. In Westeuropa seien davon vor allem Benelux und Großbritannien betroffen. Zu den Wachstumsregionen gehörten dagegen Süd- und Osteuropa sowie in erster Linie Nordamerika.

Laut einer Europa-Studie von Interconnection Consulting kann das derzeit per saldo moderate Mengenwachstum nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Gesamtmarkt seit 2007 mit 93 Mio. Fenstereinheiten bis heute um ein Viertel auf 70 Mio. Fenstereinheiten schrumpfte. Zudem beschränke sich die „osteuropäische Exportoffensive“, die im Übrigen von dem dauerhaften Trend zu Kunststofffenstern profitiere, inzwischen keineswegs auf Polen. Sie gehe u. a. auch von Rumänien und damit einem Land aus, in dem einzelne Produzenten bis zu 90 % ihrer kompletten Fertigung für die Ausfuhr nutzten.

Für Deutschland wies Keill abermals auf die „zu optimistischen offiziellen Verbandszahlen“ hin. Sie schlössen den „Importboom“ ein und verzerrten damit die reale Situation mit Blick auf den inländischen Herstellermarkt. Er rutscht nach der Einschätzung von Roto auf der Mengenseite 2016 erneut ins leichte Minus.

Wichtig seien zudem generelle, bisher aber kaum thematisierte Branchenprobleme. So führe der anhaltende Konsolidierungsprozess zu sinkenden Unternehmenszahlen. Laut Verbandsstudie gibt es aktuell noch 6.400 Fenster- und Türenproduzenten, nachdem es 2011 noch 6.700 waren. Trotzdem seien erhebliche Überkapazitäten vorhanden, die der Untersuchung zufolge z. B. bei rund 5 Mio. Fenstereinheiten pro Jahr liegen. Der Chef des Bauzulieferers: „Darin steckt für die Zukunft eine Menge Brisanz.“

Gleiches gelte für die sich permanent wandelnden Märkte. Dazu gehöre in Deutschland die Tendenz zu höherwertigen Fenster- und Türenausstattungen, die die Mengeneinbußen bei inländischen Produzenten kompensierten. Das bestätige im Übrigen die Wirksamkeit eines gezielten „Mehrwert-Marketings“. In Frankreich wiederum gewinne das Alu-Segment „durchaus überraschend“ kräftig an Boden. Schließlich müsse die Branche auch überzeugende Antworten auf Herausforderungen durch Online-Portale und andere neue Vertriebsformen finden.

Ordentliches 1. Halbjahr, schwaches 3. Quartal

Finanzvorstand Michael Stangier erläuterte die diesjährige Entwicklung von Roto. Als Ausgangsbasis wies er auf den 2015 erzielten Gruppenumsatz von 622 Mio. Euro hin. Der Rückgang um nur 3 % gegenüber 2014 (641 Mio. Euro) habe mit Blick auf die per saldo erheblich kräftigeren Marktverluste eine erneut positive Firmenkonjunktur bestätigt. Das Ziel, trotz der anhaltenden Schwäche in Kernmärkten 2016 eine „schwarze Umsatz-Null“ zu schaffen, werde man voraussichtlich nur wegen negativer Währungseinflüsse verfehlen.

In der Division Fenster- und Türtechnologie (FTT) stehe per 30. September 2016 einschließlich der Umsätze aus den Akquisitionen Deventer und Peder Nielsen bei den Verkaufserlösen ein leichtes Plus zu Buche. Bei bereinigter Betrachtung sei ein niedriges einstelliges Minus zu konstatieren. Im bisherigen Jahresverlauf folgte, wie es hieß, auf ein „noch akzeptables“ 1. Halbjahr ein „extrem schwaches“ 3. Quartal.

Starke marktbedingte Umsatzeinbußen meldete Stangier für Russland, China und Lateinamerika mit Ausnahme von Chile und Peru. Auch die Umsatzentwicklung in Deutschland sei „unbefriedigend“, da Beschläge kaum vom höherwertigen Verkauf (z. B. Dreifachverglasung, Automation) profitierten. Erfreulich sei dagegen der Gewinn von Marktanteilen im Inland. Steigende Verkaufserlöse gebe es in Süd- und Osteuropa sowie vor allem Nordamerika. Unter dem Strich habe sich die Division vor dem Hintergrund der nochmals sehr schlechten Entwicklung in wichtigen Märkten mit Russland an der Spitze „achtbar aus der Affäre gezogen“. Das schlage sich auch in einer insgesamt behaupteten bzw. leicht verbesserten Marktposition nieder.

Die Division Dach- und Solartechnologie (DST) weise per 30. September 2016 kumuliert ein leichtes einstelliges Umsatzminus aus. Wie bei FTT sei ein schwaches 3. Quartal entscheidend gewesen, nachdem das 1. Halbjahr „noch ordentlich“ verlief. In uneinheitlichen, aber meist rückläufigen Märkten blieben die Roto-Positionen stabil, hob Stangier hervor. Das beruhe nicht zuletzt auf der gelungenen Einführung der Wohndachfenster-Generation „Q“.

In Deutschland, dem für DST maßgeblichen Kernmarkt, wirke sich die fehlende Renovierungs-Dynamik aus. In Summe habe das per Stichtag zu einer geringen Umsatzeinbuße geführt. Während Westeuropa die Erwartungen „ebenfalls nicht erfüllte“, lägen Süd- und Osteuropa zum Teil deutlich im Plus.

Den Gruppen-Gesamtumsatz per 30. September bezifferte der Finanzvorstand auf gut 480 Mio. Euro. Das entspreche im Vorjahresvergleich dank der Akquisitionen einer „hauchdünnen“ Zunahme. Aber selbst das um diesen Effekt bereinigte Resultat eines leichten Minus bei den Verkaufserlösen sei mit Blick auf die mitunter eklatante Marktschwäche als „relativer Erfolg“ einzuordnen.

Belastungen getrotzt – in die Zukunft investiert

Im 4. Quartal rechnet Stangier nicht mit „grundlegenden Veränderungen“. Deshalb prognostizierte er für das ganze Jahr 2016 einen Gruppenumsatz von rund 620 Mio. Euro, der damit knapp das Vorjahresniveau erreiche. Die Relation zwischen Ausland und Inland pendele sich wieder bei zwei Drittel zu ein Drittel ein. Die Gruppe beschäftigte den Angaben zufolge Ende September 2016 inklusive der ab 1. Januar wirksamen Deventer-Integration knapp 4.500 Mitarbeiter. Die Anlageinvestitionen bewegten sich im laufenden Jahr wieder in einem „klar zweistelligen Millionenbereich“ und flossen in beiden Divisionen u. a. in die für neue Produkte nötigen Werkzeuge. Das dokumentiere die „ungebrochene Innovationskraft“ des Bauzulieferers.

Mit den neuen Gruppenmitgliedern Peder Nielsen und Deventer sei man „sehr zufrieden“. Ihre Integration in den Roto-Verbund verlaufe reibungslos und damit nach Plan. Die „positive Kundenresonanz“ bestätige im Übrigen die Systemstrategie des Unternehmens. Das gelte aktuell primär für die Verzahnung von Beschlag und Dichtung. Außerdem sei bei FTT für Ende 2016 / Anfang 2017 eine weitere Akquisition geplant. Ihre Finanzierung erfolge erneut ohne zusätzliche Fremdmittel und untermauere damit „einmal mehr“ die wirtschaftliche Stabilität von Roto.

Dennoch müsse man die Ertragssituation 2016 als „klar unbefriedigend“ bezeichnen. Als Hauptursachen dafür nannte Stangier die erheblichen marktbedingten Belastungen bei FTT, die ausgeprägten Rohstoffverteuerungen von bis zu 40 % (Zink, Alu) und die per saldo negativen Währungsverschiebungen. All das zwinge zu zeitnahen Preisanpassungen.

Auf den Ertragsdruck reagiere Roto „ebenso entschlossen wie differenziert“. So sei das „eiserne“ Kostensparprogramm überhaupt kein Widerspruch zu einer weiter intensiven Arbeit an den für Kunden kaufentscheidenden Kriterien. Dazu gehöre eine neue Prozessorganisation ab 1. Juli 2016, die sich in einer noch effizienteren Kundenorientierung niederschlage. Zudem blieben Bereitschaft und Fähigkeit zu Zukunftsinvestitionen unberührt. Exemplarische Beispiele dafür seien die Schiebesysteme „Patio Alversa“ und „Patio Inowa“ bei FTT und die Wohndachfenster-Innovation „Q“ bei DST. Auch die Gründung der neuen Tochtergesellschaft in Chile zeige das Engagement für und zugleich das Vertrauen in mittel- und langfristige Marktchancen. Das Resümee des Finanzvorstandes: „Trotz erneut kräftiger Gegenwinde bleibt die Roto-Gruppe 2016 fest in der Spur – und ist näher am Kunden denn je.“

Mit Stabilisierung nicht zufrieden

Seinen Ausblick auf 2017 startete Keill mit einer „guten Nachricht“. Denn: Erstmals seit Jahren erwarte Roto von den Märkten per saldo keine weiteren Belastungen. Differenziert bleibe die Entwicklung aber trotzdem. So komme es in Russland vermutlich zu einer Seitwärtsbewegung. Der Markt hänge indes stark von der politischen Entwicklung ab. Man hoffe deshalb auf eine Deeskalation und einen besseren Dialog auf beiden Seiten. Für die Wirtschafts- und Währungsentwicklung sei ein Ölpreisanstieg positiv und daher wünschenswert.

China werde sich voraussichtlich auf dem erreichten Niveau behaupten. Dazu könnten die Regierungsprogramme zur Stützung des Wohnungsbaus konkret beitragen. In Lateinamerika einschließlich Brasilien gehe man von dem Erreichen der Talsohle und einem „Konsolidierungsjahr“ 2017 aus. Die Prognose für Nordamerika: anhaltender Aufschwung in etwas langsamerem Tempo.

In Europa rechnet Keill überwiegend mit einem moderaten Aufwärtstrend. Im Einzelnen gelte das u. a. für Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Polen. Zu den Verlierern zähle Großbritannien – und das „wohl deutlich“. Alles in allem dürften sich die Fenster- und Türenmärkte 2017 stabilisieren.

Für Roto gibt sich der Vorstandsvorsitzende damit aber nicht zufrieden. Stattdessen peilt er ein Umsatzwachstum in der Gruppe zwischen 4 und 5 % an. Dabei geht er von einer stärkeren DST-Dynamik aus. In der Konsequenz heiße das, Märkte und Wettbewerber zu übertreffen. Die Verbesserung der Ertragssituation habe „natürlich ebenfalls Priorität“.

Für das Erreichen der ambitionierten Ziele formulierte Keill vor dem internationalen Journalistenpublikum in Berlin ein griffiges 5-Punkte-Programm. Die Elemente im Originalton: „Akzeptierte Systemstrategie forcieren, Innovationen etablieren, Kundennutzen konsequent optimieren, Verlässlichkeit dokumentieren und Stabilität garantieren.“

Map Locations

Roto Division FTT

      Roto Division DST