26.10.2011

Differenzierung mit System

Warschau/Leinfelden-Echterdingen - (rp) Ihre bereits vor Jahren getroffene Grundsatzentscheidung, sich noch intensiver um das wichtige Standbein „Türtechnik“ zu kümmern, verband die Roto-Gruppe mit ambitionierten Zielen. Danach war und ist es nicht ihr Anspruch, im „großen Anbieterpulk mitzulaufen“, sondern sich kontinuierlich an der Spitze zu etablieren. Die Konsequenz des Bauzulieferers: umfassende Investitionen in Märkte, Strukturen, Kapazitäten, Sortimente und Serviceprogramme. So beschrieb Udo Pauly Ende Oktober 2011 während des 6. Internationalen Fachpressetages in Warschau Basis und Hauptelemente eines „stringenten Differenzierungskonzeptes“. Es stärkt nach Aussage des Marketingleiters der Division Fenster- und Türtechnologie die eigene Wettbewerbsposition und sorgt zugleich für einen deutlich höheren Nutzwert auf Kundenseite.

Exemplarischer Europa-Check

Das Tür- sei ebenso wie das Fenstergeschäft des Beschlagspezialisten weltweit geprägt. Deshalb stelle die Untersuchung relevanter Märkte eine „unverzichtbare, aber auch schwierige Basisarbeit“ dar. Da praktisch keine verlässlichen amtlichen oder sonstigen Statistiken und Erhebungen vorlägen, sei man überwiegend auf eigene Recherchen angewiesen. Roto scheue den damit verbundenen erheblichen finanziellen und zeitlichen Aufwand indes nicht.

Den Berechnungen zufolge repräsentieren allein die europäischen Märkte bei Außentür-Beschlägen ein Gesamtvolumen von gut 600 Mio. Euro. Die für einzelne Regionen (inkl. Russland) ermittelten Werte beruhen, wie es hieß, auf der Annahme, dass pro Tür die drei Komponenten Schlösser, Bänder und Schwellen eingesetzt werden. Das entspreche in Europa einer jährlichen Menge von etwa 14 Mio. Türen. Damit verfüge man zumindest über „brauchbare Anhaltspunkte“ für die gegenwärtige und künftige Nachfrageentwicklung.

Für die internationalen Haus- und Wohnungseingangstürenmärkte erwarte Roto unter dem Strich tendenziell ein „leichtes Wachstum“. Diese Prognose verdecke jedoch zum Teil signifikante Unterschiede in den beobachteten Ländern bzw. Regionen. Sie reichen von Sektoren mit eher negativen Aussichten bis zu Zonen mit sehr positiven Perspektiven, erläuterte Pauly.

Eigenheiten und Gemeinsamkeiten

Unabhängig davon laute die Devise: International agieren heißt anforderungsgerecht agieren. So müsse die Sortimentspolitik bei Verriegelungen und Schlössern z. B. die von Land zu Land häufig abweichenden, zwischen 70 mm und 94 mm betragenden Abstände zwischen Profilzylinder und Griff berücksichtigen. Hinzu komme die heterogene Praxis bei Drücker- bzw. Zylinderbetätigungen. Bei Schwellen und Bändern wiederum gelte es, länderspezifischen Kriterien etwa bei der Profilqualität (u. a. thermische Trennung im Alu-Segment), der Tiefe mit mehr Kammern bei PVC-Profilen und besonderen Profilgeometrien Rechnung zu tragen. Aus der generell stetig steigenden Nachfrage nach individuellen Ausstattungen resultiere eine weitere wichtige Aufgabe.

Dennoch ließen sich auch mehr oder minder globale Entwicklungen erkennen. Dazu gehöre der Trend zu höheren und schwereren Eingangstüren. Außerdem sei das bisher meist auf Fenster beschränkte Energieeffizienz-Thema künftig auch bei Türen im Aufwind. Schließlich bewirke das zunehmende Sicherheitsbedürfnis der Menschen eine wachsende Beliebtheit von Türen mit der gewünschten Einbruchschutz-Funktion.

Langfristiges Konzept

Um das große türtechnische Potenzial auszuschöpfen, setze Roto eine ganzheitliche Kompetenzstrategie konsequent um. Von zentraler Bedeutung sei dabei der Ausbau des konkreten Alleinstellungsmerkmals, das sich in der umfangreichsten Systempalette rund um die Tür niederschlage. Das komplette Mehrfachverriegelungs-, Bänder- und Schwellenportfolio aus einer Hand schaffe einen „klaren Wettbewerbsvorsprung“ und erfülle zugleich die speziellen Kundenbedürfnisse.

Die Langfristigkeit des Konzeptes unterstreiche u. a. die schon 2008 erfolgte Übernahme der deutschen Firma Gluske BKV, die mit ihrem Repertoire an Türbändern und –schwellen das eigene Beschlagsortiment wirksam ergänzt bzw. erweitert habe und inzwischen voll in die Roto-Gruppe integriert sei. Zur Marktstärke trage entscheidend auch die Tatsache bei, dass es eine „Schaltstelle“ für Entwicklung, Konstruktion und Produktion des „Door“-Sortimentes gebe. Sie befinde sich im österreichischen Kalsdorf und damit zugleich an dem Standort mit der größten Fertigungstiefe im internationalen Werksverbund des Bauzulieferers.

Überwiegend automatisiert seien auf knapp 27.000 qm der eigene Werkzeugbau, die Stanzerei, die Galvanik, die Pulverbeschichtung, der Zinkdruckguss, der Kunststoff-Spritzguss, eine Vor- und Sonderfertigung für Einzelteile, die Montage sowie die Läger für Halberzeugnisse und Fertigwaren und der Versand untergebracht. Dank dieser lückenlosen Kapazitäten, effizienter Prozessabläufe und permanenter Investitionen, die sich zuletzt im „hohen einstelligen Millionenbereich“ bewegten, könne man nachfragegerecht Kleinst- und Großserien gleichermaßen produzieren. Zudem werde in Kalsdorf ein „Competence Center“ als technisches Backoffice installiert.

Eine weitere Bestätigung für die dauerhafte Türtechnik-Offensive ist der kontinuierliche Ausbau der Vertriebsorganisation, betonte Pauly. Dazu gehöre, die Verkaufsteams in den einzelnen Wirtschaftsräumen sukzessive mit „Door“-Spezialisten zu verstärken. Darüber hinaus dokumentierten zwei neue Vertriebsleitungs-Positionen in den Geschäftsgebieten West und Ost den erklärten Willen, die Wachstumschancen gerade auf internationaler Ebene „kraftvoll“ zu nutzen.

Neue Schlossgeneration – neuer Maßstab

Im Fokus der Türtechnik-Palette stehen, wie es hieß, die Segmente „DoorSafe“, „DoorLine“ und „DoorPlus“. Das aus Roto-Sicht entscheidende Argument der Struktur: „Alle erforderlichen Komponenten sind exakt aufeinander abgestimmt.“ Der Handel profitiere davon u. a. durch eine hohe Beratungssicherheit. Türenbauern bzw. Handwerkern wiederum garantiere die „Vernetzung“ z. B. funktionierende Prozess- und Projektabläufe.

Das breit gefächerte „DoorSafe“-Portfolio beinhalte neben E-Öffnern und Rahmenteilen vor allem vielfältige Mehrfachverriegelungs-Programme. Im Einzelnen nannte der Marketingleiter mechanische Lösungen für ein- und doppelflügelige Türen (zylinder- und drückerbetätigt), automatische Varianten sowie elektromechanische Produkte. Besonders hob Pauly die seit Sommer 2011 weltweit eingeführten Mehrfachverriegelungs-Systeme „DoorSafe 600“ für Eingangs-, Flucht- und Paniktüren hervor. Die neue Schlossgeneration setze in puncto Sicherheit, (Energie-)Effizienz und Komfort besondere Maßstäbe.

Das beruhe primär auf der exklusiven Kombinationsverriegelung. Die Innovation sei mit einem Bolzen sowie einem neun Millimeter breiten und damit gegenwärtig stärksten am Markt verfügbaren „Kraftkeil“ ausgestattet. Das Funktionsprinzip: Beim Verriegeln zieht zunächst der Keil an, bevor der Bolzen folgt. Der daraus resultierende hohe Anpressdruck beuge dem Verziehen der Tür vor und sorge für dauerhafte Dichtigkeit. Sie sperre im Übrigen auch Kälte und Zugluft aus, verbessere so die Emissionswerte spürbar und senke damit die Energiekosten.

Außerdem zeichne sich das neue Programm durch zahlreiche weitere Vorteile aus. Das Spektrum erstrecke sich von leichter Bedienung und der Eignung selbst für kleine Dornmaße ab 25 mm über starke Einbruchschutz-Leistungen sogar auf WK 3-Niveau bis zu Edelstahlelementen für Alu-Türen und Schlössern für maximal drei Meter hohe Türen. Eine 10-jährige Funktionsgarantie und die serienmäßige Ausrüstung mit der besonders korrosionsbeständigen „RotoSil Nano“-Oberfläche rundeten den Pluspunkt-Katalog ab.

Bänder, Schwellen und viel Individualität

Hinter der Produktgruppe „DoorLine“ verberge sich ein umfangreiches Bänderprogramm für PVC- und Alu-Türen in verschiedenen Preiskategorien und mehreren Designlinien. Insgesamt seien acht Serien für maximal 160 kg schwere Türflügel verfügbar. Große Verstellwege ermöglichten die in der Praxis häufig erforderlichen individuellen Anpassungen der Bandseiten.

Das „DoorPlus“-Sortiment schließlich vereine barrierefreie, schlagregendichte und thermisch getrennte Haus- und Balkontürschwellen. Die genaue Abstimmung der Schließstücke auf die Beschläge von Roto zeige ebenfalls den Nutzen des „Alles aus einer Hand“-Konzeptes. Wind- bzw. Aerostopp, Bodentürdichtungen sowie weitere Zubehörprodukte komplettierten das Angebot im dritten „Door“-Segment.

Die Kompetenz für länderspezifische Problemlösungen machte Pauly an einigen Praxisbeispielen deutlich. So müsse in Polen eine Tür stets mit zwei unterschiedlichen Schlüsseln verriegelbar sein. Roto habe dafür eine Zusatzsperre für den zweiten Zylinder entwickelt. Eine andere Herausforderung gab es in den Niederlanden: die Nachfrage nach Haustürbändern für die landestypischen Blockprofile. Sie werde durch ein eigens für den dortigen Markt konstruiertes PVC-Band abgedeckt.

Mehrwert für Kunden und Verbraucher

Zur lückenlosen „Hardware“ komme eine professionelle „Software“. Mit speziellen Dienstleistungen unterstütze das Unternehmen Türenhersteller bei dem Bemühen, die betriebliche Wertschöpfung zu steigern. Ein markantes Beispiel dafür sei das „Engineering“-Konzept zur individuellen Fertigungsoptimierung. Auf der Basis einer jeweils intensiven Ist-Analyse entwickelten, realisierten und kontrollierten die Experten immer gemeinsam mit dem Kunden Lösungen, um „vor Ort“ nachhaltige Verbesserungen zu erreichen. Das Motto, „nah am Kunden“ zu sein, zeige sich hier in seiner direktesten Form.

In erster Linie an den Handel richte sich dagegen ein neuer Internet-Service, dessen Premiere die rund 50 Fachjournalisten in Warschau „live“ erlebten. „RotoCon Simple Web“ ermögliche den Partnern exakte Beschlagauflösungen mit Grafik und Stücklisten. Der aktuelle Mehrwert überzeuge auf der Basis von Beschlagvorlagen durch ein schnelles, einfaches Handling und liefere dem Kunden per Login-Funktion individuelle Daten und Konfigurationen.

Im flankierenden Marketing- und Kommunikationssektor erhöhe man ebenfalls das Tempo. Neben dem Einsatz bewährter Instrumente wie der gezielten Öffentlichkeitsarbeit, technischen Dokus und Katalogen gehe man auch hier bewusst neue Wege. Exemplarisch wies Pauly auf die Microsite www.rotodoorsafe600.com sowie das während des Fachpressetages vorgestellte Glossar „Durchblick“ hin. Die kompakte 16-seitige, zunächst in deutscher Sprache vorliegende Informations- und Orientierungshilfe soll Verbrauchern 33 wichtige Fachbegriffe rund um Türen und Schlösser verständlich erläutern und damit auch Türen-Profis die Kundenberatung erleichtern.

Keine Arbeitspause

Pauly kündigte weitere Schritte an, um den Status des „komplettesten türtechnischen Systemanbieters“ stets zu aktualisieren und damit auszubauen. Er werde u. a. zu einem thematischen Schwerpunkt während der „fensterbau/frontale“ im März 2012. Zur wichtigsten Branchenmesse präsentiere sich „DoorSafe 600“ erstmals einem breiten internationalen Publikum. Zudem seien Neuheiten bei „DoorLine“ und „DoorPlus“ zu erwarten. Generell bilde der Aluminiumbereich ein relevantes Produktentwicklungsfeld. Und: Es gehe auch darum, zusätzliche Märkte wie Skandinavien für Roto aktiv zu erschließen. „Wir sind auf einem sehr guten Weg, aber eben noch nicht ganz am Ziel“, so lautete daher das Warschauer Resümee.